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Autobiographischer Auszug/Historie 1983 – 1989, „Das vergessene Geld“ und „Der AFN“

Bild: Nikolaus Andre, 1985

Nikolaus Andre im Jahre 1985

Als Student verbrachte ich die Sommermonate (die vorlesungsfreie Zeit) auf einer Insel nahe Dubrovnik, der Insel Šipan – eine der Elafitischen Inseln. Im Spätsommer 1989 kehrte ich aus dem damals noch als Jugoslawien bekanntem Land zurück und genoss dann die kommende Zeit der herbstlichen Töne, melancholisch zurückblickend aber wohlbehagend, in Berlin. So stand ich dann auf der Terrasse des Casinos Glienicke – mit Blick auf die Glienicker Brücke an einem noch spätsommerlichen Tag im Duft des Herbstlaubs – mit meinen Inselfreunden, und wir fanden alle gemeinsam, dass wenn wir jetzt einfach nach Potsdam über die Glienicker Brücke laufen könnten, das doch ein sagenhaftes Gefühl wäre. Irgendwie war alles fast perfekt. Das einzige was uns fehlte – mir ganz besonders fehlte, das waren die wöchentlichen Radioshows von AFN The Juice (wurde diese Radiosendung 1984 beim American Forces Network Berlin eingestellt), welche nun diesem Szenario die musikalische Untermalung in der Stilrichtung Jazz hätte bieten können – begleitet durch die sonorige Bass-Stimme des Moderators, welche einen darauf indirekt hinwies, das wir im Amerikanischen Sektor lebten – in Freiheit. Doch über die Jahre der aufgezeichneten Sendungen auf Tape konnte man sich trotzdem fortwährend was Gutes tun (auch wenn der Transport der Audio-Kassetten in Kühltaschen die Auswahl einschränkte; Server – zum Zweck des Downloads von Musikdaten – damals nicht existierten). Und außerdem gab es noch Laura Lee, welche durchaus – aber im Nachtprogramm des AFN – ähnlich gutes und in ähnlich guter Atmosphäre anbot. Sie hatte was von „Stevie Wayne – The voice of the night“ von KAB, Antonio Bay (aus John Carpenters – The Fog).

Und dann im November 1989 überstürzten sich die Ereignisse. Eine abenteuerliche Reise der Gegenwartsgeschichte sollte aller unser Leben verändern. Die Mauer ging auf und unser behagliches Inselleben in West-Berlin war auf einmal zuende. Das Thema ist ein eigenes Kapitel, so dass ich davon hier nicht erzählen werde. Im Jahre 1990 entfiel die Reise deshalb nach Dubrovnik und zu den Elafitischen Inseln – meiner inzwischen zweiten Heimat. Auf die Insel Šipan sollte ich – bürgerkriegsbedingt – erst im Jahre 1996 zurückkehren.

The Elafiti Islands and Dubrovnik - a picturebook, 1997
The Elafiti Islands and Dubrovnik – a picturebook, 1997
Pionierzeit des Internets; unplugged programing by hand 1996
http://www.nicos.de

Aber was hat das alles mit dem auf diesem Bild offensichtlichen Geldreichtum zu tun?

Jugoslawischer Dinar 1989
Jugoslawischer Dinar

Eine der nicht unwichtigen Beschäftigungen des Sommers 1989 auf „meiner“ Insel war der gescheite Kampf gegen die galoppierende Inflation des jugoslawischen Dinars. Was an DM (Deutsche Mark) in Dinar am frühen Morgen umgetauscht wurde, musste bis zum Nachmittag ausgegeben werden, weil am frühen Abend das Geld nur noch die Hälfte wert war. Schlicht waren die Bürger des Landes und die nicht legalen, aber zwangsläufig geduldeten, und an jeder Ecke rumlungernden Devisenhändler damit beschäftigt, den Dinar loszuwerden. Täglich mehrfach erscheinende Tageszeitungen gaben die Kursorientierung an (diese lagen zuerst in den Lokalen/Bars und Café’s herum und fielen dann zügig dem Kneipenmatador – welcher unübersehbar den Ton angab, in die Hände. Offenbar gaben ihm diese Zeitungen eine Bedeutung). Das kleine Postamt auf der Insel, in einem aus Kalkstein gebauten Fischerhaus gelegen – kaum größer der Fläche nach als eine Teestube – hatte schon lange kein Interesse mehr daran, diese Arbeit zu übernehmen und den sichtbar für alle offenstehenden Tresor aus der Jahrhundertwende noch zu schließen. Mit meiner späteren Rückkehr nach Berlin blieb ein volles Portemonnaie mit Dinaren übrig, welche ich im Zuge der darauffolgend turbulenten Zeit, einfach vergaß (der abgebildete Tabakbeutel unten diente über die Jahre als der Geldbeutel – auch für das Kleingeld, das aber irgendwann als wertlos verschwand). Und so verschwand aus dem Gedächtnis auch dieses „Portemonnaie“.

Klassischer Tabakbeutel, Jugoslawien 1983, Leder, handgefertigt
Klassischer Tabakbeutel Jugoslawien 1983

Mit der ersten Reise nach Kroatien – nach dem Krieg, nach Dubrovnik, mit dem Ziel, nach alten Freunden zu suchen, um festzustellen, ob sie überlebt hatten – wo der Kontakt im Zuge der kriegerischen Ereignisse wegbrach – sollte meine Reise mit diesem Tabakbeutel wieder beginnen. Zu meiner Überraschung fand ich im Tabakbeutel „Das vergessene Geld“.

 Jugoslawische Dinar 1989
Der Jugoslawische Dinar 1989

Zum Dinar: Jeder besondere Schein hatte im Volksmund eine eigene Bezeichnung. Und auch diese Bezeichnungen waren z.T. einst noch durch die erste Währungsreform 1966 geprägt. So waren 10 Dinar (auf dem Schein war ein Arbeiter dargestellt) unter der älteren Bevölkerung als „Hiljadarka“ benannt, was soviel heisst wie „der Tausender“. Dann gab es den „Crvendac“ (ausgesprochen: zrwendatsch) – das Rotkehlchen. 100 Dinar. Zu Anfang der 80er Jahre hatte dieser Schein noch einen Wert von 20 DM. Damit konnte man fürstlich essen gehen. Und schließlich der 5000-Dinar-Schein, mit dem Abbild von Josip Broz (Tito), genannt „Mrtvac“, „der Tote“ (in Anspielung auf den verstorbenen Staatspräsidenten, zu diesem Zweck dieser Schein mit seiner Abbildung 1985 erschien). Im Jahre 1989, zu meiner Abreise, war alles Geld was man hier sieht, noch etwa 65 DM wert. Ich bin mir sicher, das wie ich in Berlin ankam, es nichts mehr wert war.

Im Jahre 1996 erschien im Wochenmagazin „Stern“ ein Artikel über die Stadt Dubrovnik und ein Interview mit Marko Brešković. Seinerseits nicht nur die Stimme der Stadt – ein guter Freund, sondern auch in der Funktion des Kultursenators sowie eines renommierten und weltbekannten Musikproduzenten des Jazz und Folk. Der Artikel beschrieb eindrücklich die vergangene Situation der Stadt – kurz nach dem Bürgerkrieg, im ehemaligen Jugoslawien – im heutigen Kroatien. Diese Unternehmensberatung und Medienagentur schuf für diese Stadt im neuen Medium Internet (welches zu diesem Zeitpunkt eher einem Abenteuerland glich) die erste regionale Präsenz der Stadt und des Bezirks Dubrovnik (stellvertretend für das neue Land Kroatien) in Form eines prosaischen Bilderbuchs, dessen grundlegende Idee der Philosophie Fontanes und Goethes entnommen wurde.

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Mit Wiedererscheinung der Stadt Dubrovnik

gegenüber der internationalen Öffentlichkeit (die hier genannte Publikationsmaßnahme war primär ausgelegt vorerst nur zur Anregung für Multiplikatoren als Zielgruppe), erwirkte sie die Akzeptanz gegenüber Unternehmern, um schließlich angebotene Möglichkeiten zu nutzen. Es war die erste „Landespräsentation“ Kroatiens überhaupt im Internet. Denn im Jahre 1996 gab es im heutigen Sinn der Möglichkeiten kein E-Commerce.

Dubrovnik History 1996 by Dr. Nikolaus Andre
Dubrovnik History 1996
History of Dubrovnik 1996 by Dr. Nikolaus Andre
History of Dubrovnik 1996

Auch ließ im Jahre 1996 der Datendurchsatz und die Serverleistung der Provider nicht zu, das eine zu öffnende Seite mehr als 70 KB wiegen durfte, um den User nicht in der Wartezeit der zu öffnenden Seite zu bewegen, inzwischen sich gemütlich aber entnervt einen Kaffee zuzubereiten.

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Historisches Aspekt – Der AFN – weltweit bekannt als „Radiostar AFN“

Der AFN konnte seinerseits, wie wir ebenso finden, zu recht den Slogan formulieren: „the best in Berlin“. Denn bevor andere lokale Radiosender Neuerscheinungen der Black-Music und der Charts veröffentlichten, hatte der AFN diese längst publiziert. Und ebenso war die Moderationsleistung mitentscheidend für diesen weltweit sehr guten Ruf. Im Jahre 1976 erschien die Radioshow „The Juice“ mit Jim McCauley – und diese war eine der legendären Sendungen, welche die Neuerscheinungen als erster Radiosender weltweit vorstellte. Denn Berlin, West-Berlin, war etwas besonderes. Und Jim McCauley verstand es wie kein anderer Moderator – bis heute, in wenige Worten – durch die emotionale Akzenturierung seiner Ansprache an das Publikum, die Neuvorstellungen zu präsentieren, welche eine Auswahl der höchsten Güte an Funk, Soul, Fusion und Jazz darstellen sollte. Er gab mit seiner einzigartigen Moderation der Stadt Berlin und diesem Radiosender eine besondere Stimme.

Jim McCauley on stage am 8. Oktober 2010 im Bohannon Club. AFN The Juice
Jim McCauley on stage am 8. Oktober 2010 im Bohannon Club.
Event by Dr. Nikolaus Andre (Soul-Jazz.de)

Jim McCauley und Dr. Nikolaus Andre in Berlin, Flughafen Tegel, am 05. Oktober 2010
Jim McCauley und Dr. Nikolaus Andre am 05. Oktober 2010, Berlin-Tegel.
Jim McCauley und Rik De Lisle on stage am 08. Oktober 2010 im Bohannon Club Berlin, Event by Soul-Jazz.de/Dr. Nikolaus Andre
Jim McCauley (AFN/RIAS) und Rik de Lisle
(AFN 87,87/RIAS/RS2 94,3)

Im Jahre 2009 begann die Kooperation mit dem AFN zur Vermarktung dieser legendären Sendung auf CD. Nur ein Jahr später – am 08.10.2010, sollte den Fans ein Traum wahr werden: im Rahmen meines Musikverlags Soul-Jazz.de initiierte ich die Veranstaltung „The sound of great88 – The Juice“ mit Jim McCauley und Rik De Lisle – als Live-Radioshow im Bohannon Club Berlin. Dieses Event sollte bis heute unvergessen bleiben, so das die Fans – im Eindruck des erlebten Lebensgefühls – aus der Zeit des AFN-Berlin der 70er und 80er Jahre – nach einer weiteren Veranstaltung (via Social Media) schließlich verlangten.

AFN Berlin Logo - kreiiert für Events und das Amerikanisch-Deutsche-Volksfest für den Live-Radio-Bereich des AFN Berlin im Bezirk Zehlendorf an der Truman Plaza
AFN Berlin

Im Jahre 2014 war es dann soweit. Ich entschied mich einen weiteren Star nach Berlin zu holen: Dan Simmons – AFN Disco. In seiner Tätigkeit als Moderatoren rockte er die Stadt Berlin ebenso in den Jahren 1976 bis 1984. So wurde „AFN Disco Live“ am 22.03.2014 meinerseits initiiert – mit eben Dan Simmons und Rik De Lisle im South Nightlife Club. Eine Stadtgeschichte wurde wieder live erlebbar und erinnerte an die große Zeit des AFN-Berlin und seiner besonderen Radiosendungen.

Dan Simmons - AFN Berlin Studio 1976, Saargemünder Straße 28
Dan Simmons – AFN Berlin Studio 1978
Dan Simmons und Dr. Nikolaus Andre in Berlin, Flughafen Tegel, am 20.03.2014
Dan Simmons und Dr. Nikolaus Andre am 20. März 2014, Berlin-Tegel
AFN-Berlin Live! Dan Simmons and Rik De Lisle on stage, am 22.03.2014
Dan Simmons und Rik De Lisle (Programmdirektor RS2 94,3)
am 22.03.2014 in Berlin.
Event by Dr. Nikolaus Andre (Soul-Jazz.de)
-> Mehr dazu in der Rubrik Kultur

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Historischer Hintergrund: Ursprünglich sollte diese Veranstaltung schon im Jahre 2012 stattfinden – neben Dan Simmons und Rik De Lisle – mit Steve Kostelac, welcher die Sendung AFN-Disco mit Dan Simmons teilte. Doch Steve Kostelac verstarb unerwartet in 2011, so das diese Veranstaltung dann für 2014 neu geplant wurde. Lesen Sie hierzu die einzelnen Pressemitteilungen zu den Veranstaltungen über:

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