Die Kassette – Renaissance und Renaissance?

TDK MA-XG Typ IV Metal, 90 Min Spiellänge – Made in Japan

Wer erinnert sich noch an die Musikkassette?


Sicher viele – soweit man einer bestimmten Generation angehört. So erlebte diese Generation, welche ihre Sturm- und Drangzeit irgendwo zwischen 1975 und 1990 hatte, genau dieses Produkt, dieses technische kleine Wunderwerk der Musikaufbewahrung, eines Datenträgers für Musikwerke, welches mit Hilfe eines Kassettenrecorders abgespielt werden konnte.

Die passend hochwertigen Geräte wurden recht zügig zur Standardausrüstung fast jedes Haushalts, in welchem Musik in bestimmter Wiedergabequalität genutzt sein wollte.

So gab es Kassetten mit einer Musikaufnahme und Abspiellänge von 60 Minuten, 90 Minuten und 120 Minuten. Wobei die 120 Minuten-Kassette recht unbeliebt war; diese für garantierten „Bandsalat“ stand – aufgrund der Aufweichung des zu dünnen Bandmaterials – durch Hitze oder der Rollenverschmutzung (Reibungswiderstand) innerhalb der Abspielgeräte, so dass mindestens wegen dieser Kassette ein Bleistift oder Kugelschreiber zum festen Werkzeug jedes Kassettenliebhabers gehörte (um das Band aus der Verhedderung, aus dem Kassettenrecorder zu befreien, die Kassette wieder aufzuspulen).

Im Falle einer „Querverhedderung“

blieb das Öffnen der Musikkassette (mit Hilfe eines Schraubenziehers) unumgänglich, um schließlich das nachrangige „Einfädeln“ des Bands in seiner dafür vorgesehenen Spurvorrichtung – innerhalb des Musikkassettengehäuses – umzusetzen, soweit man das Band retten wollte.

Das Ganze klingt für heutige „junge Ohren“ kompliziert und mühselig.

All diese Kinderkrankheiten lösten sich aber mit der Einführung hochwertiger Kassetten unterschiedlicher Bandqualitäten wie Ferrochrom, Chromdioxid (High Bias) oder Metall der Unternehmen BASF, Sony, TDK und Maxell sowie AGFA bzw. hochwertiger Abspiel- und Aufnahmegeräte – den Tapedecks (und später auch Walkmans) – der Marken AKAI, Phillips, Nakamichi (das Tapedeck Modell „Dragon“), Marantz, AIWA, Sony und noch anderen.

Nakamichi Dragon
Nakamichi Dragon

So entstand eine hohe Qualität – soweit die Aufnahmequelle ebenfalls von hoher Qualität war (Wiedergabe über Plattenspieler z.B. der Marken Kenwood, Denon oder Transrotor in Kombination mit Abspielsystemen wie z.B. von Audio Technica oder Orthophon) sowie alle anderen dafür notwenigen Komponenten wie Verstärker ebenso (Vor- und Endstufe z.B. von Sony, Denon, Yamaha oder Plinius). Und dieser Hörgenuss ist bis heute – soweit man diese technischen Möglichkeiten noch besitzt – gegenüber heutigen digitalen Medien – mehr als vergleichbar im Klang besser (soweit man nicht für seine digitalen Medien auf sehr hochpreisige Digital-Analogwandler im fünfstelligen Preisbereich zurückgreift bzw. zurückgreifen will).

2006 – eine Renaissance?

So verwunderte es nicht, dass zuerst die Schallplatte und später auch die Musikkassette seine Renaissance fand. Traditionelle Unternehmen der o.g. Technologie wieder Schallplattenspieler herstellten und sich Unternehmen fanden, welche wieder Musikkassetten herstellen. Jedoch blieben zwei Sachverhalte unbefriedigend bzw. ungelöst: Tapedecks gibt es nur als Gebrauchtgeräte bzw. als unverkaufte Lagerbestände und die Auswahl an Musikkassetten hoher Qualität beschränkt sich ebenfalls tatsächlich nur auf Lagerbestände vergangenen Produktion aus der Zeit vor 1995. So kostet heute z.B. eine Musikkassette der Marke TDK, des Typs Metall (MA-XG) etwa 100 Euro – das Stück. So liegt also ein klassisches Zehnerpack heute bei ca. 1000 Euro.

Ist es die Nachfrage und die reale Verknappung, welche den Preis so hochsteigen ließ?

Ja. Denn es hatte sich herausgestellt, dass neben der gesichert und langlebigen Datenarchivierung via Schallplatte, die hochwertigen Musikkassetten der Marke TDK, die MA-XG oder die Sony Metall Master eine ebenso gleiche Langlebigkeit aufweisen. So sind diese Datenträger der Qualität hoch, dass z.B. – nach nunmehr 35 Jahren – die Daten keine Verluste aufweisen (soweit richtig gelagert). Und hochwertige Abspielgeräte/Tapedecks ebenso keine Probleme aufweisen, soweit ebenso richtig gepflegt. So steht diese Qualität der analogen Geräte trotzig der ganzen digitalen und schnelllebigen Musiktechnologie gegenüber – und findet keinen neuen und gleichwertigen Ersatz.

Sony Walkman DD Quartz Mega Bass
Dolby A, B, Kassettentypeinstellung

Ist das Ende der Musikkassette definitiv deshalb eingeläutet oder darf es wieder eine Renaissance geben?

Zumindest endet nach Sachstand der Dinge die Musikkassette dann, wenn die Generation Musikkassette das zeitliche segnet. Oder gibt es doch eine Chance? Interessanterweise hat der Walkman mit Kassette unter den jüngeren Generationen eine Beliebtheit gewonnen. Der Grund ist recht einfach: die Unabhängigkeit gegenüber Unternehmen kontrollierter digitaler Medien, welche die Musik von Servern aus weltweit kostenpflichtig anbieten, aber eben einem nicht gehören – und der Anbieter dennoch weiß, was man hört. Und auch gab es im Jahr 2016 eine Ankündigung eines russischen Unternehmens, das wieder in den Walkman-Bau mit Kassette einsteigen wollte. Warum dies nicht geschehen ist, bleibt im Raum der Spekulation. Doch die Walkman-Börse nimmt weltweit enorme Züge an. Scheinbar entdecken unterschiedliche Generationen die Qualität der Unabhängigkeit und des Vorzugs der Anonymität des Hörens, aber auch das haptische, das als Geschenk sogar dienlich ist, etwas sehr Persönliches darstellt und somit etwas Besonderes ist. Und die enorme Klangqualität. Im Grunde genommen ist die Kassette, die Abspielgeräte dazu, das, was nicht Wenige an mechanischen Uhren lieben. Unabhängigkeit, Zeitlosigkeit, Langlebigkeit, persönliches. Und etwas Besonderes.

Ist hier die neue Zielgruppe zu finden?

Ja. Sie ist schon da. Denn auch die Preise des guten Walkman der Marken Sony oder AIWA steigen. So kostet heute der vielgefragte Sony WM-DD9 inzwischen 1600 Euro. Aber auch der Klassiker von Sony – der WM DD2 – ist nicht unter 400 Euro zu bekommen. Und wir sind im Jahre 2021! Zumindest, das sollte man sagen können, bleibt es spannend.  

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© Artikel „Die Kassette – Renaissance und Renaissance?“ veröffentlicht am 06.01.2021.

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